

Suchst du nach einer Ausbildung, bei der Zahlen eine Rolle spielen, du aber trotzdem viel mit Menschen zu tun hast? Dann bist du bei der Ausbildung zur Steuerfachangestellten oder zum Steuerfachangestellten genau richtig. Der Beruf hat nichts von dem drögen Image, das ihm manchmal nachgesagt wird. Du arbeitest mit echten Fällen, echten Mandanten und echtem Geld, nicht nur mit Formularen.
Ich erkläre dir hier, was der Beruf wirklich beinhaltet, wie die Ausbildung abläuft, was du mitbringen solltest und wie viel du dabei und danach verdienst. Dazu schaue ich mir an, für wen der direkte Einstieg gleich nach der Schule passt und wie du die Ausbildung gedanklich gegen ein Studium abwägen kannst, falls du da noch schwankst.
Als Steuerfachangestellte arbeitest du meistens in einer Steuerkanzlei, manchmal auch in der Steuerabteilung eines Unternehmens. Du erstellst Steuererklärungen, führst Buchhaltungen und bereitest Jahresabschlüsse vor. Dazu kommt der direkte Kontakt zu Mandanten. Du beantwortest Fragen, sammelst Unterlagen ein und erklärst, welche Belege noch fehlen. Manche Mandanten kennst du irgendwann besser als ihre eigene Familie ihre Finanzen kennt.
Der Beruf verlangt Sorgfalt. Ein Zahlendreher kann teuer werden, für den Mandanten und für die Kanzlei. Gleichzeitig ist er abwechslungsreicher, als viele denken. Jeder Mandant bringt einen anderen Fall mit, eine andere Branche, eine andere Lebenssituation. Freiberufler, kleine Handwerksbetriebe, Privatpersonen mit Mieteinnahmen. Du lernst mit der Zeit, wie unterschiedlich Steuerrecht im Alltag wirklich aussieht.
Was viele unterschätzen: Du bist von Anfang an nah dran am echten Geschehen. Schon in den ersten Monaten bekommst du eigene kleine Aufgaben, etwa einfache Steuererklärungen unter Anleitung. Das Gefühl, tatsächlich etwas beizutragen und nicht nur zuzusehen, motiviert viele Azubis in diesem Beruf besonders. Und weil Steuerrecht sich laufend ändert, wird dir in diesem Job auch nach Jahren nicht langweilig. Es gibt immer wieder neue Regelungen, neue Fälle, neue Fragen von Mandanten.
Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre und läuft dual. Du bist also abwechselnd in der Kanzlei und in der Berufsschule. Bringst du bereits Vorkenntnisse mit, etwa durch Abitur oder eine vorherige kaufmännische Ausbildung, kannst du die Ausbildungszeit unter Umständen auf zweieinhalb Jahre verkürzen. Sprich das am besten direkt mit deinem Ausbildungsbetrieb und der zuständigen Steuerberaterkammer ab.
In der Berufsschule lernst du die rechtlichen Grundlagen: Steuerrecht, Rechnungswesen, Wirtschafts- und Sozialkunde. In der Kanzlei setzt du das Gelernte direkt um, meistens unter Anleitung eines erfahrenen Kollegen oder deines Ausbildungsbetriebs selbst. Am Ende der Ausbildung steht die Abschlussprüfung vor der zuständigen Steuerberaterkammer, schriftlich und mündlich.
Der Ablauf innerhalb der drei Jahre ist meistens so gedacht, dass du dich Schritt für Schritt steigerst. Im ersten Jahr geht es viel um Grundlagen, um Buchführung, um das Verstehen von Belegen und einfachen Zusammenhängen. Im zweiten und dritten Jahr übernimmst du zunehmend eigenständige Aufgaben, arbeitest an komplexeren Fällen mit und bereitest dich parallel auf die Prüfung vor. Diese Steigerung nimmt dir am Anfang den Druck, weil niemand erwartet, dass du direkt alles kannst.
Für den Einstieg reicht formal oft schon ein guter Realschulabschluss, viele Kanzleien nehmen aber auch gerne Abiturienten. Wichtiger als der Abschluss auf dem Papier sind ein paar Eigenschaften, die dir den Alltag erleichtern. Du solltest gerne mit Zahlen arbeiten und keine Scheu vor Gesetzestexten haben, denn Steuerrecht ändert sich ständig und du liest dich immer wieder neu ein.
Genauso wichtig ist Kommunikationsfähigkeit. Du erklärst Mandanten oft recht trockene Sachverhalte, und das am besten so, dass sie es auch wirklich verstehen. Sorgfalt und eine strukturierte Arbeitsweise runden das Bild ab. Fristen sind in diesem Beruf keine Empfehlung, sondern Gesetz. Wer Termine gerne aufschiebt, tut sich in einer Steuerkanzlei schwer.
Ein Punkt, der oft zu kurz kommt: Belastbarkeit in stressigen Phasen. Zur Steuererklärungssaison im Frühjahr und rund um Fristen wird es in vielen Kanzleien hektisch. Wenn du in solchen Phasen ruhig bleibst und dich nicht aus der Bahn werfen lässt, hast du hier einen echten Vorteil. Und wenn du dazulernst, dass gute Vorbereitung Stress reduziert, zum Beispiel durch ein sauber geführtes Berichtsheft, machst du dir den Alltag deutlich leichter.
Nicht jeder muss nach der Schule erst noch ein Jahr überlegen. Wenn du gerne mit Zahlen arbeitest, strukturiert denkst und lieber praktisch lernst statt drei weitere Jahre in der Theorie zu verbringen, ist der direkte Einstieg in diese Ausbildung eine gute Option. Du fängst früh an, echtes Geld zu verdienen, sammelst parallel Berufserfahrung und bist mit Ende zwanzig oft schon deutlich weiter als jemand, der erst noch ein Studium abschließt.
Wie oben beschrieben reicht formal oft ein guter Realschulabschluss, viele Kanzleien besetzen ihre Ausbildungsplätze aber auch mit Abiturienten. Wenn du in der Schule mit Mathe und Wirtschaft gut klargekommen bist, dir Genauigkeit eher liegt als kreatives Chaos und du gerne mit klaren Regeln arbeitest, passt der Beruf oft gut zu deinem Profil. Auch wenn dir wichtig ist, mit Menschen zu tun zu haben, aber nicht den ganzen Tag im Verkaufsgespräch zu stehen, findest du hier eine Mischung, die selten ist: viel Kontakt zu Mandanten, aber eingebettet in klare, nachvollziehbare Aufgaben.
Weniger gut passt der direkte Einstieg, wenn du unbedingt studieren willst, um dir später mehr Optionen offenzuhalten, oder wenn dir der Gedanke an jahrelange Arbeit mit Gesetzestexten schon jetzt keinen Spaß macht. Dann lohnt sich ein Blick auf die Alternativen im nächsten Abschnitt.
Für Steuerfachangestellte gibt es keinen bundesweiten Tarifvertrag. Die Steuerberaterkammern der einzelnen Bundesländer sprechen aber Empfehlungen für die Ausbildungsvergütung aus, an denen sich die meisten Kanzleien orientieren. Nach diesen Empfehlungen liegt die Vergütung im ersten Ausbildungsjahr grob zwischen 850 und 1.400 Euro brutto im Monat, im dritten Jahr zwischen etwa 1.050 und 1.500 Euro, je nach Bundesland und Kanzlei. Weil es keine verbindliche bundesweite Zahl gibt, lohnt sich ein Blick auf die Empfehlung deiner zuständigen Steuerberaterkammer, bevor du deinen Ausbildungsvertrag unterschreibst.
Nach der Ausbildung verdienst du laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit im Schnitt rund 3.458 Euro brutto im Monat, umgerechnet knapp 41.500 Euro im Jahr. Berufseinsteiger liegen eher am unteren Ende dieser Spanne, mit ein paar Jahren Erfahrung und zusätzlichen Qualifikationen, etwa als Steuerfachwirt, geht es deutlich nach oben. Wie viel du am Ende bekommst, hängt stark von der Kanzleigröße, dem Bundesland und deiner Weiterbildung ab.
Ein Gedanke dazu, der bei Gehaltszahlen oft untergeht: Der Verdienst ist nur ein Teil des Bildes. Viele Kanzleien bieten planbare Arbeitszeiten außerhalb der Fristensaison, oft auch Homeoffice-Tage und eine im Vergleich zu manch anderen kaufmännischen Berufen recht hohe Jobsicherheit, weil Steuerfachwissen immer gebraucht wird. Das solltest du mitrechnen, wenn du verschiedene Angebote vergleichst, nicht nur die reine Zahl auf dem Vertrag.
Neben der Arbeit an echten Mandantenfällen führst du während der Ausbildung ein Berichtsheft, manche Kammern nennen es auch Ausbildungsnachweis. Darin hältst du fest, welche Tätigkeiten du in der Kanzlei ausgeführt hast und welche Themen in der Berufsschule dran waren. Das ist keine Formsache. Ohne vollständigen Ausbildungsnachweis wirst du in der Regel nicht zur Abschlussprüfung zugelassen.
Gerade weil du in der Kanzlei oft mitten im Tagesgeschäft steckst, zwischen Fristen, Mandantengesprächen und Belegen, gerät das Berichtsheft schnell in den Hintergrund. Am Ende der Woche weißt du dann nicht mehr genau, was du am Montag eigentlich gemacht hast. Ein Ausbildungsnachweis, den du dir zur Gewohnheit machst und der dir das Eintragen leicht macht, spart dir jede Woche einiges an Zeit und Nerven, die du lieber in die Prüfungsvorbereitung steckst.
Am einfachsten fällt dir das, wenn du dir feste kleine Zeitfenster dafür einbaust, zum Beispiel freitagnachmittags kurz vor Feierabend oder direkt nach jedem Berufsschultag. Wer wartet, bis am Ende des Ausbildungsjahres alles auf einmal nachgetragen werden muss, verbringt damit ganze Abende, die er sich hätte sparen können.
Wenn du noch zwischen der Ausbildung zur Steuerfachangestellten und einem Studium schwankst, zum Beispiel Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Steuern oder Rechtswissenschaft mit Blick auf Steuerrecht, lohnt sich ein ehrlicher Vergleich. Die Ausbildung bringt dich schneller in den Berufsalltag. Du verdienst ab dem ersten Tag etwas, sammelst praktische Erfahrung mit echten Mandanten und stehst nach drei Jahren mit einem anerkannten Abschluss und einem festen Job da. Das Studium dauert dagegen erstmal länger, meist mindestens drei Jahre für den Bachelor, und bringt dir in dieser Zeit keine Vergütung, dafür aber eine breitere theoretische Grundlage.
Für die Ausbildung spricht, dass du von Anfang an in der Praxis stehst und sofort siehst, wie das, was du lernst, tatsächlich angewendet wird. Für ein Studium spricht, dass es dir später mehr Türen öffnet, etwa in Richtung Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer, auch wenn diese Wege dir über die Ausbildung mit anschließender Weiterbildung ebenfalls offenstehen, nur eben auf einem anderen Zeitplan. Wer sich noch unsicher ist, ob Theorie oder Praxis besser passt, kann auch einen Mittelweg wählen: erst die Ausbildung machen und später berufsbegleitend studieren. So verlierst du keine Zeit und triffst die Studienentscheidung mit deutlich mehr Berufserfahrung im Rücken.
Es gibt hier kein pauschal richtig oder falsch. Wenn dir praktisches Arbeiten und schnelles eigenes Geld wichtiger sind, ist die Ausbildung der naheliegendere Weg. Wenn du lieber erst die große Theorie durchdringen willst, bevor du in die Praxis gehst, ist das Studium die passendere Reihenfolge für dich.
Mit dem Abschluss als Steuerfachangestellte stehen dir mehrere Wege offen. Viele bleiben zunächst in ihrer Ausbildungskanzlei und sammeln Berufserfahrung. Andere wechseln in eine größere Kanzlei oder in die Steuerabteilung eines Unternehmens. Wer sich weiterentwickeln will, kann die Prüfung zum Steuerfachwirt ablegen, ein anerkannter Aufstiegsweg mit spürbar besserem Gehalt.
Der nächste große Schritt für viele ist das Steuerberaterexamen, eine der anspruchsvollsten Prüfungen in Deutschland überhaupt, aber auch mit entsprechend guten Aussichten danach. Auch ein berufsbegleitendes Studium, etwa in Betriebswirtschaft mit Schwerpunkt Steuern, ist ein gängiger Weg. Die Ausbildung ist also eher ein solider Startpunkt als ein Endpunkt, von dem aus du dich in ganz unterschiedliche Richtungen weiterentwickeln kannst.
Falls dich neben diesem Beruf auch andere Ausbildungswege interessieren, zum Beispiel weil du noch vergleichen möchtest, findest du einen Überblick über weitere Ausbildungsberufe mit ähnlichen Infos zu Ablauf, Voraussetzungen und Gehalt.
Regulär drei Jahre. Mit Abitur oder einer passenden Vorbildung kannst du sie unter Umständen auf zweieinhalb Jahre verkürzen, sprich das mit deinem Ausbildungsbetrieb ab.
Formal reicht oft ein guter Realschulabschluss. Viele Kanzleien stellen aber auch gerne Abiturienten ein, weil ihnen die trockeneren Rechtsthemen leichter fallen.
Nach den Empfehlungen der Steuerberaterkammern liegt die Ausbildungsvergütung im ersten Jahr grob zwischen 850 und 1.400 Euro brutto, im dritten Jahr zwischen etwa 1.050 und 1.500 Euro. Nach der Ausbildung verdienst du laut Bundesagentur für Arbeit im Schnitt rund 3.458 Euro brutto im Monat, mit Berufserfahrung und Weiterbildung oft mehr.
Ja, der Ausbildungsnachweis ist Pflicht und Voraussetzung für die Zulassung zur Abschlussprüfung. Am einfachsten fällt er dir, wenn du ihn regelmäßig führst statt am Ende der Woche alles auf einmal nachzutragen.
Ja, der klassische Weg führt über den Steuerfachwirt und später über das Steuerberaterexamen. Auch ein berufsbegleitendes Studium mit Schwerpunkt Steuern ist eine verbreitete Option.
Ja. Viele Kanzleien nehmen gerne Abiturienten, und mit Abitur kannst du die Ausbildungszeit unter Umständen sogar auf zweieinhalb Jahre verkürzen. Ein Studium bleibt dir danach trotzdem offen, zum Beispiel berufsbegleitend.
Das hängt davon ab, was dir wichtiger ist. Die Ausbildung bringt dich schneller in die Praxis und zu eigenem Geld, ein Studium öffnet dir langfristig teils mehr Wege. Beide Richtungen kannst du auch kombinieren, etwa mit einem berufsbegleitenden Studium nach der Ausbildung.
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