

Du spielst mit dem Gedanken, Heilpraktiker oder Heilpraktikerin zu werden? Dann betrittst du einen Berufsweg, der anders funktioniert als die meisten Ausbildungen, die du kennst. Es gibt keine feste, staatlich vorgeschriebene Ausbildung, sondern eine Prüfung, auf die du dich vorbereiten musst. Wie du dahin kommst, entscheidest du weitgehend selbst.
Ich erkläre dir hier, wie der Weg zum Heilpraktiker abläuft, was du dafür investieren musst und was du hinterher verdienen kannst.
Außerdem ordne ich dir ein, für wen der direkte Weg nach der Schule überhaupt realistisch ist und wie sich die Vorbereitung zu einem Studium verhält. Beides wird oft durcheinandergeworfen, dabei sind es zwei völlig unterschiedliche Wege mit unterschiedlichen Voraussetzungen.
Als Heilpraktiker oder Heilpraktikerin behandelst du Patientinnen und Patienten mit Methoden aus der Naturheilkunde und der Komplementärmedizin. Dazu gehören zum Beispiel Homöopathie, Pflanzenheilkunde, Akupunktur oder Ausleitungsverfahren. Du erstellst Diagnosen, entwickelst Behandlungspläne und begleitest Menschen oft über längere Zeiträume, anders als in der klassischen Schulmedizin, wo Termine oft kurz und getaktet sind.
Wichtig zu wissen: Die Heilpraktikererlaubnis ist keine Zusatzqualifikation zum Arztberuf, sondern ein eigenständiger Heilberuf mit eigenen Grenzen. Manche Behandlungen und Diagnosen sind dir gesetzlich untersagt, etwa in der Geburtshilfe oder bei bestimmten meldepflichtigen Krankheiten. Diese Grenzen kennst du am Ende deiner Vorbereitung genau.
Diese Eigenständigkeit ist gleichzeitig die größte Chance und die größte Verantwortung im Beruf. Du bist niemandem unterstellt, der deine Diagnosen absegnet, aber du trägst auch allein die Verantwortung dafür, deine gesetzlichen Grenzen zu kennen und einzuhalten. Genau deshalb ist die amtsärztliche Überprüfung so aufgebaut, wie sie ist: Sie will vor allem sicherstellen, dass du weißt, wo Naturheilkunde aufhört und wo du an einen Arzt oder eine Ärztin verweisen musst.
Heilpraktiker ist selten der erste Berufsweg, den jemand direkt nach der Schule einschlägt. Das liegt nicht nur an der langen Vorbereitungszeit, sondern an einer ganz konkreten Regel: Zur amtsärztlichen Überprüfung darfst du erst antreten, wenn du mindestens 25 Jahre alt bist. Wenn du mit 16, 17 oder 18 die Schule verlässt, liegen zwischen deinem Abschluss und der frühestmöglichen Prüfung also ohnehin mehrere Jahre, die du irgendwie überbrücken musst.
Deshalb sieht der Weg in der Praxis meistens so aus: Erst kommt eine andere Ausbildung, ein Studium oder ein paar Jahre Berufserfahrung, oft im Gesundheits- oder Sozialbereich, etwa als Pflegefachkraft, medizinische Fachangestellte oder Physiotherapeut. Erst danach, manchmal parallel zum Job, beginnt die eigentliche Vorbereitung auf die Heilpraktiker-Prüfung. Für viele ist der Beruf also eine bewusste Zweitausbildung oder ein Quereinstieg, nicht der erste Schritt ins Berufsleben.
Wenn du gerade erst von der Schule kommst und noch keine Berufserfahrung hast, ist das kein Ausschlusskriterium, aber du solltest ehrlich mit dir sein: Die Jahre bis zum frühestmöglichen Prüfungstermin musst du füllen. Manche nutzen sie, um schon parallel zu lernen und sich Fachwissen anzueignen, andere sammeln bewusst erst Lebens- und Arbeitserfahrung, bevor sie sich auf einen Heilberuf einlassen, in dem sie später eigenständig Verantwortung für Patientinnen und Patienten tragen. Wenn du dagegen lieber eine klassische duale Ausbildung im Gesundheitsbereich mit festem Ausbildungsplan und geführtem Berichtsheft suchst, lohnt sich ein Blick in unseren Beitrag zum Berichtsheft in der Ausbildung, um zu verstehen, wie sich dieser Weg von der Heilpraktiker-Vorbereitung unterscheidet.
Für Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger mit ein paar Berufsjahren im Rücken ist der direkte Weg dagegen oft naheliegender. Du bringst schon eine gewisse Selbstorganisation aus dem Berufsleben mit, kennst dich vielleicht im Gesundheitswesen schon etwas aus und kannst realistischer einschätzen, ob dir die Selbstständigkeit oder die Arbeit mit Patientinnen und Patienten über lange Zeiträume liegt. Das ersetzt keine fachliche Vorbereitung, macht den Einstieg aber oft leichter.
Anders als bei einer klassischen Ausbildung gibt es keinen festen Ausbildungsplan. Du bereitest dich in Eigenregie oder über eine private Heilpraktikerschule auf die amtsärztliche Überprüfung vor, die vom Gesundheitsamt abgenommen wird. Diese Prüfung besteht aus einem schriftlichen Multiple-Choice-Teil und einem mündlichen Teil und prüft vor allem, ob du keine Gefahr für die Patientinnen und Patienten darstellst, nicht ob du bereits ein fertiger Heilpraktiker bist.
Die Vorbereitungszeit variiert stark. Manche schaffen es in eineinhalb Jahren, andere brauchen drei Jahre oder länger, je nachdem, ob du in Vollzeit oder neben einem Job lernst. Viele besuchen dafür eine Heilpraktikerschule mit festem Lehrplan, andere lernen komplett im Selbststudium anhand von Fachliteratur. Nach bestandener Prüfung erhältst du deine Heilpraktikererlaubnis und darfst dich selbstständig machen oder eine Anstellung suchen.
Wichtig dabei: Es gibt kein bundesweit einheitliches Curriculum und keine offiziellen Zwischenprüfungen, an denen du deinen Fortschritt ablesen kannst. Den Überblick über deinen eigenen Lernstand musst du dir selbst verschaffen, sei es über Probeklausuren, den Austausch mit anderen Lernenden oder eine eigene Dokumentation deines Lernwegs.
Formal brauchst du einen Hauptschulabschluss und musst mindestens 25 Jahre alt sein, wenn du zur Überprüfung antrittst. Viel entscheidender ist aber deine Eigendisziplin. Weil dir niemand einen festen Stundenplan vorgibt, musst du dich selbst organisieren und über lange Zeit am Ball bleiben. Ein echtes Interesse an Anatomie, Physiologie und Krankheitslehre hilft dir enorm, denn genau das wird in der Prüfung intensiv abgefragt.
Außerdem solltest du gerne mit Menschen arbeiten und ihnen zuhören können, denn in der Naturheilkunde nimmt sich die Anamnese oft viel mehr Zeit als beim klassischen Arztbesuch. Wer später selbstständig arbeiten will, braucht zusätzlich ein Gespür für unternehmerisches Denken.
Diese Selbstorganisation ist der Punkt, an dem viele unterschätzen, wie anspruchsvoll der Weg ist. Ohne festen Stundenplan und ohne Ausbilderin oder Ausbilder, die nachfragen, ob du am Ball bist, bist du komplett auf dich gestellt. Das kann ein Vorteil sein, wenn du gut allein lernst, aber auch eine Stolperfalle, wenn du eher Struktur von außen brauchst.
Manche überlegen, ob sie statt der Heilpraktiker-Vorbereitung nicht gleich Medizin oder ein naturheilkundenahes Fach wie Gesundheitsförderung, Ernährungswissenschaften oder Public Health studieren sollen. Das sind aber zwei grundsätzlich verschiedene Wege, die du nicht gegeneinander aufrechnen solltest.
Ein Medizinstudium führt dich zur Approbation als Arzt oder Ärztin, mit einem völlig anderen Berufsbild, anderen Befugnissen und einer anderen Art der Ausbildung: staatlich reguliert, mit Regelstudienzeit, Physikum, Staatsexamen und anschließender Weiterbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt. Die Heilpraktiker-Vorbereitung ist davon komplett getrennt. Mit der Erlaubnis wirst du nicht zur Ärztin oder zum Arzt, sondern übst einen eigenständigen Heilberuf mit eigenen, engeren Grenzen aus, wie eingangs schon beschrieben.
Auch ein naturheilkundenahes Studium ersetzt die amtsärztliche Überprüfung nicht automatisch. Selbst mit einem passenden akademischen Abschluss musst du trotzdem die Heilpraktiker-Prüfung beim Gesundheitsamt ablegen, wenn du die Erlaubnis willst, eigenständig zu diagnostizieren und zu behandeln. Ein Studium kann dir fachliches Vorwissen mitgeben und die Vorbereitung erleichtern, es ist aber kein Ersatz dafür.
Umgekehrt heißt das auch: Ein festes Gehalt während der Vorbereitung, wie es duale Studiengänge oder klassische Ausbildungen bieten, gibt es bei der Heilpraktiker-Vorbereitung nicht. Du finanzierst deine Schule oder dein Selbststudium selbst, wie schon bei den Kosten weiter oben beschrieben. Manche Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker holen sich später zusätzlich eine akademische Weiterbildung im Gesundheitsbereich, etwa um sich fachlich breiter aufzustellen, aber das ist dann ein weiterer, eigener Baustein und kein automatischer nächster Schritt, der sich aus der Heilpraktiker-Erlaubnis ergibt.
Wenn du grundsätzlich noch unentschlossen bist, ob eher ein Studium, eine duale Ausbildung oder ein Weg wie der zum Heilpraktiker zu dir passt, findest du in unserer Ausbildungsübersicht weitere Berufswege im Vergleich.
Während der Vorbereitungszeit bekommst du kein Gehalt, weil es sich nicht um eine klassische, vergütete Ausbildung handelt. Stattdessen zahlst du selbst, je nach Schule und Umfang der Vorbereitung liegen die Kosten grob zwischen 2.000 und 11.000 Euro für Lehrgang, Materialien und Prüfungsgebühren. Das solltest du bei deiner Planung realistisch einkalkulieren.
Nach bestandener Prüfung hängt dein Verdienst stark davon ab, ob du angestellt oder selbstständig arbeitest. Als angestellte Heilpraktikerin liegt das Gehalt bei einer Vollzeitstelle im Schnitt bei bis zu rund 3.200 Euro brutto im Monat. In der Selbstständigkeit mit eigener Praxis sind Einnahmen bis zu 4.500 Euro brutto im Monat drin, oft wird dabei mit einem Stundensatz um die 40 Euro gerechnet. Wichtig ist, dass du von diesen Einnahmen als Selbstständiger noch Miete, Versicherungen und alle Betriebskosten selbst bezahlst, dein tatsächliches Einkommen liegt also darunter.
Auch ohne klassischen Ausbildungsvertrag lohnt es sich, deinen Lernfortschritt und deine Praktika sauber zu dokumentieren, etwa in Praxen oder bei Hospitationen, die viele angehende Heilpraktiker parallel zur Vorbereitung machen. Ein Berichtsheft oder Lerntagebuch hilft dir dabei, den Überblick über Themen zu behalten, die du schon durchgearbeitet hast, und zeigt dir schwarz auf weiss, wo noch Lücken sind. Gerade weil die Prüfungsvorbereitung so lange dauert und du dich selbst organisierst, ist ein regelmäßig geführter Nachweis oft der Unterschied zwischen einem strukturierten und einem chaotischen Lernweg.
Mit deiner Heilpraktikererlaubnis kannst du dich direkt selbstständig machen und eine eigene Praxis eröffnen, oder du suchst eine Anstellung in einer bestehenden Naturheilpraxis oder einem Gesundheitszentrum. Viele Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker spezialisieren sich im Laufe der Zeit zusätzlich, etwa auf Homöopathie, Traditionelle Chinesische Medizin oder Ernährungsberatung. Solche Zusatzqualifikationen erweitern dein Angebot und helfen dir, dich am Markt von anderen abzuheben. Der Weg zum Heilpraktiker ist also weniger eine klar vorgezeichnete Karriereleiter, sondern eher ein Fundament, auf dem du dir deinen eigenen Schwerpunkt aufbaust.
Nein, es gibt keine staatlich vorgeschriebene Ausbildung. Du bereitest dich in Eigenregie oder über eine private Schule auf die amtsärztliche Überprüfung vor.
Das hängt stark von deinem Lerntempo ab. Manche schaffen es in eineinhalb Jahren, andere brauchen drei Jahre oder mehr, je nachdem ob du in Vollzeit oder nebenberuflich lernst.
Du brauchst mindestens einen Hauptschulabschluss und musst bei der Überprüfung mindestens 25 Jahre alt sein.
Zur Prüfung antreten kannst du erst mit mindestens 25 Jahren. Die meisten überbrücken die Zeit bis dahin mit einer anderen Ausbildung, einem Studium oder ein paar Jahren Berufserfahrung, bevor sie mit der eigentlichen Vorbereitung beginnen. Direkt nach der Schule ist der Weg deshalb eher die Ausnahme.
Nein. Auch mit einem naturheilkundenahen oder medizinischen Studium musst du die amtsärztliche Überprüfung beim Gesundheitsamt ablegen, wenn du als Heilpraktikerin oder Heilpraktiker arbeiten willst. Ein Studium kann die Vorbereitung erleichtern, ersetzt sie aber nicht.
Als angestellte Heilpraktikerin verdienst du im Schnitt bis zu rund 3.200 Euro brutto im Monat. In der Selbstständigkeit können Einnahmen bis zu 4.500 Euro brutto im Monat möglich sein, davon gehen aber noch alle Betriebskosten ab.
Vorgeschrieben ist das nicht, weil es keine klassische Ausbildung ist. Trotzdem lohnt sich ein Lern- oder Praxisnachweis, um bei der langen Vorbereitungszeit den Überblick über Themen und Praktika zu behalten.
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